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„Reiß dich mal zusammen!“

oder wie Selbstregulation wirklich funktioniert

Kennst du das auch? Du fühlst dich gestresst, überfordert oder ängstlich und hast das Gefühl, keiner versteht dich? Vielleicht hörst du in solchen Momenten den Satz: „Reiß dich doch mal zusammen!“ Manchmal kommt er von außen, manchmal sagst du ihn zu dir selbst.
Aber hilft das wirklich?
Ich erlebe oft in meiner Praxis, dass Menschen denken Selbstregulation sei einfach eine Frage von Disziplin oder Willenskraft. Doch meiner Erfahrung nach gibt es bessere Wege, mit Belastung umzugehen, die sanfter und gleichzeitig nachhaltiger sind. In diesem Artikel möchte ich dir einige dieser Wege näher vorstellen.

Was bedeutet Selbstregulation überhaupt?

Wir Menschen haben die Fähigkeit, aus dem automatischen Reiz-Reaktions-Muster auszubrechen und bewusst zu Handeln. Das heißt: Wir müssen nicht immer direkt reagieren, wir können einen Moment innehalten und dann selbst entscheiden, wie wir handeln möchten.
Wir können uns also selbst beruhigen oder auch selbst motivieren, kurz: uns selbst regulieren
Diese Fähigkeit wirkt im ersten Moment selbstverständlich, ist sie aber nicht immer. Denn gerade in stressigen, emotional aufgeladenen Situationen oder wenn wir erschöpft sind fällt es uns oft schwer, bewusst Abstand zu gewinnen.
Auch Kinder brauchen zunächst Unterstützung, um ihr Nervensystem zu regulieren, und lernen erst nach und nach, dies selbst zu übernehmen.
Die gute Nachricht: Selbstregulation ist nichts, was man entweder hat oder nicht hat, sie lässt sich üben, Schritt für Schritt.
Für mich bedeutet Selbstregulation genau das: Nicht einfach „funktionieren“, sondern bewusst so zu handeln, wie es zu uns passt, zu unseren Werten, Bedürfnissen und Zielen.

Warum „zusammenreißen“ oft nicht funktioniert

Wenn wir uns selbst (oder anderen) sagen: „Jetzt reiß dich zusammen“, erzeugt das häufig Druck. Viele sind dann sehr streng mit sich, wollen sich zwingen, „richtig“ zu reagieren aber oft fehlt die Kraft dazu.
Denn jedes Mal, wenn wir unser Verhalten bewusst steuern, braucht das Energie. Und die steht nicht unbegrenzt zur Verfügung.
Du kennst das vielleicht: An einem guten Tag fällt es dir leicht, auf Süßes zu verzichten oder ruhig zu bleiben. Aber nach einem anstrengenden Tag mit vielen Herausforderungen bist du viel schneller gereizt oder greifst doch zur Chipstüte. Das ist ganz normal.

Selbstmitgefühl

In solchen Momenten ist aus meiner Sicht nicht noch mehr Druck oder Selbstkritik hilfreich, sondern das Gegenteil: Freundlichkeit und Verständnis für sich selbst. Wenn wir uns in stressigen Phasen nicht zusätzlich abwerten, sondern mit Mitgefühl begegnen, kann das helfen, innerlich wieder mehr Ruhe zu finden. Selbstregulation ist aus meiner Sicht kein ständiger Kraftakt, sie gelingt oft besser, wenn wir nicht gegen uns selbst kämpfen, sondern in Kontakt mit unseren Bedürfnissen, Wünschen und Zielen kommen.

Motivation statt Zwang

Wenn wir wissen, warum wir etwas tun wollen, fällt es oft leichter, unser Verhalten zu steuern. Dann geht es weniger um ein „Ich muss“, sondern mehr um ein „Ich will“. Das kann neue Kraft freisetzen, besonders, wenn wir unsere Werte, Ziele und inneren Beweggründe kennen.

Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, sich zu fragen:
• Was ist mir in dieser Situation wirklich wichtig?
• Was ist mein Ziel oder Wert, der mich dazu bewegt das tun zu wollen?

Wenn wir diese Verbindung spüren, brauchen wir oft weniger Willenskraft. Dann entsteht Motivation aus etwas Echtem, nicht aus Druck.

Selbstregulation braucht auch Pausen

Ein weiterer Punkt, der oft vergessen wird: Selbstregulation bedeutet nicht, ständig „kontrolliert“ zu sein. Sondern auch, gut mit den eigenen Ressourcen umzugehen. Das heißt: rechtzeitig Pausen machen, für Ausgleich sorgen und liebevoll mit sich selbst sein.
Tipps für das Aufladen deines Akkus auch am Tag findest du in diesem Beitrag.
In einem nächsten Beitrag erfährst du mehr darüber, wie du deine Ressourcen stärken und Selbstregulation im Alltag üben kannst.

Ich erlebe oft, wie viel mehr Energie zur Verfügung stehen kann, wenn wir wegkommen von dem ständigen „Ich muss“, dem inneren Zwang, und stattdessen auf das schauen, was uns wirklich bewegt. Wenn wir uns bewusst machen, warum wir etwas tun möchten, was unser Antrieb ist, entsteht oft eine ganz neue Dynamik.
Selbstregulation muss also nicht hart oder anstrengend sein. Es kann vielmehr bedeuten, sich mit sich selbst zu verbinden, freundlich mit sich umzugehen und die eigenen Werte im Blick zu behalten.

Auch hier gilt wieder: Es funktioniert nicht immer sofort, aber wir können üben. Ich erlebe Häufig das es auch hilfreich sein kann, sich dabei Unterstützung von außen zu holen.
Wenn du möchtest, können wir in einem unverbindlichen, 15 minütigem, telefonischen Erstgespräch in Ruhe besprechen, wie ich dich unterstützen kann. Vereinbare dazu einfach hier einen Termin.
Alternativ kannst du auch hier direkt einen Termin buchen.